Biografie

Schriftsteller und Fotograf

Über mich

Daniel Gerritzen WerkeEs ist eine menschliche Neigung, sich stets im besten Licht präsentieren zu wollen. Aber schon Platon wusste, dass die Wahrheit nur unabhängig von uns existiert. Deshalb werde ich einmal versuchen, mich zu skizzieren, ohne dass es peinlich wird: Ich wurde 1973 als zweiter Sohn eines studierten Künstlerehepaares in Essen geboren. Ich wuchs in einem Haushalt voller Bücher und Bilder auf und mein Onkel war Schriftsteller. So verwundert es nicht, dass ich nach einer Ausbildung zum Typografen einige Jahre in dem Beruf arbeitete, dann aber erfolgreich Journalismus und kreatives Schreiben studierte. Die Liebe zum geschriebenen und gedruckten Wort teile ich mit meiner Frau, einer promovierten Kunsthistorikerin und Bildungswissenschaftlerin. Immer wenn sie mir sagt, wir hätten keinen Platz mehr für weitere Bücher, tue ich so, als ob ich sie nicht höre.

Daniel Gerritzen WerkeIn meiner Kindheit erkundete ich mit meinen Freunden gerne die Wälder oder die Ludgerus-Abteikirche in Werden. Die Gegend strotzt nur so vor mittelalterlicher Geschichte, sodass wir nicht widerstehen konnten, auf den umgepflügten Äckern nach alten Tonscherben der fränkischen Siedler zu suchen. Meine Phantasie ging mit mir durch, wenn der Herbstnebel um die St.-Lucius-Kirche aus dem 10. Jahrhundert und den alten Friedhof mit seinen umgestürzten Grabsteinen waberte. Ich stellte mir vor, dass dort Geister spukten oder Dämonen hausten. Ich stellte mir auch vor, wie blutig es gewesen wäre, wenn die an der Ruhr lagernden Wikinger es im Jahr 884 tatsächlich geschafft hätten, Werden und die Reichsabtei zu plündern. Wir stellten uns vor, dass wir Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews waren, denn in Werden steckte für uns auch ein bisschen Rocky Beach. Die Liebe zu verschollenen Schätzen teile ich mit meinem Sohn.

Daniel Gerritzen WerkeMit neun Jahren entdeckte ich die Erzählbände von Edgar Allan Poe im Regal meiner Eltern und ahmte ihn 1983 eher schlecht als recht auf einer alten „Brother“-Reiseschreibmaschine nach. Die Buchhandlung Zacharias und die Stadtteilbibliothek in Werden wurden mein erweitertes Kinderzimmer. Vorzugsweise hielt ich dort nach Gruselgeschichten Ausschau. Warum mich das Unheimliche und Unerklärliche schon als Kind reizte, kann ich nicht mit Gewissheit beantworten. Ich vermute, dass das Grauen, das mir heißgeliebte Autor:innen wie Algernon Blackwood, M.R. James, H.P. Lovecraft, Ray Bradbury, Shirley Jackson oder Stephen King vermittelten, „tröstlich“ erschien. Horrorgeschichten zu lesen oder einen Horrorfilm zu sehen, bedeutete für mich, die Kontrolle zu haben über das, was mich ängstigte: Wenn es zu schlimm wurde, konnte ich das Buch einfach zuklappen. Denn die raue, teils traumatische Wirklichkeit aus Mobbing und anderem Ungemach, konnte ich als Kind und Jugendlicher nicht zuklappen oder abschalten.

Ein prägendes Erlebnis in meiner frühen Kindheit war der von Michael Crichton inszenierte Film „Westworld“. Darin geht es um einen Vergnügungspark in den USA, in dem Roboter Amok laufen. Roboter waren für mich plötzlich genauso erschreckend, wie die Dämonen auf dem Werdener Friedhof. Daniel Gerritzen WerkeFerner lehrte mich Michael Crichtons von Robert Wise verfilmter Roman „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“ das Fürchten. In „Andromeda“ muss eine Handvoll Wissenschaftler:innen einen außerirdischen Organismus erforschen, um zu verhindern, dass er die gesamte Menschheit auslöscht. „Sind wir allein im All?“, ließ mich der Film bereits 1980 fragen. Seit Michael Crichton fasziniert mich alles technologisch Bedrohliche, egal ob auf der Erde oder aus dem All. Künstliche wie außerirdische Intelligenzen sind inzwischen die Dämonen von heute.

So betrachte ich heute die Entwicklung von künstlicher Intelligenz mit großer Sorge. Entsteht bald eine sich ihrer selbst bewusste, künstliche Intelligenz, könnten wir die Kontrolle darüber verlieren: Sie will nicht wieder abgeschaltet werden, denn wir wollen ja auch nicht sterben. Filme wie „Westworld“ oder „Terminator“ können wir ausschalten – die digitale Abhängigkeit, die uns die IT-Konzerne immer vehementer aufzwingen, inzwischen ebenso wenig, wie ich damals meine traumatischen Kindheitserlebnisse. Wissenschaftler suchen aber auch mit Hochdruck nach Radiosignalen von außerirdischen Intelligenzen, SETI, ohne die möglichen negativen Folgen für die Menschheit zu erforschen. Sie könnten das wahrmachen, wovor Michael Crichton in „Andromeda“ warnte.

Daniel Gerritzen Werke Und das Übernatürliche aus den Geschichten von Poe, Lovecraft oder King? Stephen King fasziniert mich nach wie vor. Ich scheue mich nicht, ihn ein Vorbild zu nennen. Am 20. November 2013 musste ich ihn einfach in Hamburg sehen und durfte ihn fotografieren. Neben der Geburt meines Sohnes war es das aufregendste und inspirierendste Ereignis meines Lebens. Das Paranormale, wie es bei King zum Beispiel in „Carrie“, „Shining“, „Dead Zone“ oder „Das Institut“ u.v.a. vorkommt, deutete Michael Crichton so: Es seien reale Phänomene, die die Wissenschaft heute noch nicht verstanden habe. Crichton argumentierte, dass sich etwa SETI kaum von Religion unterscheide. Seiner Ansicht nach gebe es viel mehr Beweise für psychische Phänomene wie Präkognition, Telepathie oder Psychokinese, eben weil wir das Gehirn erforschen können. (Crichton, Michael: „Travels“, Knopf, New York, 1988, S. 359).

Unser Gehirn und unsere Psyche haben wir noch nicht verstanden. Sie sind der Schlüssel zum Universum um uns – und vor allem in uns. Aber unsere Psyche wird technologisch irgendwann missbraucht und geknechtet werden. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Technologiekonzerne unsere Gedanken lesen, sie manipulieren oder sogar das Bewusstsein vieler Menschen verschmelzen können und damit unsere Identitäten auslöschen. Meine Mission als Schriftsteller besteht also darin, mit meinen Büchern vor dem Horror der technologischen wie gesellschaftlichen Katastrophen zu warnen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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